Umweltschutz

Biodiversität und Artenvielfalt – was ist das eigentlich?

Der Begriff Biodiversität umfasst die Vielfalt aller Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen und Pilze sowie die gesamte genetische Vielfalt und deren Zusammenspiel mit ihrem Einfluss auf die Umwelt. In den letzten Jahrzehnten verminderte sich die Biodiversität weltweit dadurch, dass natürliche Lebensräume vernichtet werden und die Aussterberate von Tieren und Pflanzen durch menschlichen Einfluss heute bis zu zehntausendmal höher ist als es unter natürlichen Bedingungen der Fall wäre (BMZ 2025).  Der Begriff Artenvielfalt umfasst die Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten sowie Mikroorganismen und Pilze innerhalb bestimmter Lebensräume. Dabei zählt nicht nur welche Tiere oder Pflanzen in einer Region vorkommen, sondern auch wie viele davon. Artenvielfalt ist ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität, da sie das gesamte Ökosystem auf der Erde stabilisiert. Je vielfältiger ein Lebensraum, desto weniger anfällig ist er äußeren Einflüssen gegenüber.

Biodiversitätskrise und Klimakrise – zusammen denken

Biodiversität und Artenvielfalt sind essentiell für den Menschen, da sie die Grundlage für lebenswichtige Ökosystemleistungen, die Stabilität und Resilienz von Ökosystemen, die landwirtschaftliche Produktivität sowie Ästhetik und Kulturwert sind. 

Der Verlust der Biodiversität ist genauso gravierend wie der Klimawandel und beides geht Hand in Hand, da die Ursachen und Auswirkungen untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise beeinflussen sich gegenseitig und müssen daher auch gemeinsam angegangen werden. Zusammen mit der Bewältigung des Klimawandels⁠ ist der Erhalt der Biodiversität eine der größten Herausforderungen der Menschheit.

Treiber des Biodiversitätsverlustes sind u.a. Flächennutzung/-druck durch intensive Landwirtschaft und Urbanisierung. Und genau hier können wir ansetzen und etwas tun. Die Stadtnatur, also das Stadt- und Gemeindegrün sowie Privatgärten haben eine hohe Bedeutung für die Förderung der Artenvielfalt.

Was können wir tun?

Zwei wichtige Bausteine zum Schutz der Artenvielfalt innerhalb der Gemeinde sind das Anlegen ökologischer Grünflächen und die ökologische Grünflächenpflege. Ökologische Grünflächenpflege ist eine besondere Pflege mit anderen Maßnahmen/Tätigkeiten und auch veränderten Häufigkeiten oder Zeitpunkten als in der Grünflächenpflege sonst üblich sind.

Ziel ökologischer Grünflächenpflege ist die Förderung der Artenvielfalt, durch den Erhalt und die Verbesserung der von Pflanzen geprägten Lebensräume für Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge sowie für andere Wildtiere wie Vögel, Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger. Sowohl die Grünflächen der Gemeinde als auch private Gärten können ökologisch gepflegt werden.

Selten gemähte und „unaufgeräumte“ Flächen mit heimischen Pflanzen bieten Tieren Lebensräume und geben z.B. Insekten und Spinnen Zeit und Raum sich zu entwickeln, z.B. vom Ei zur Raupe und Puppe zum Schmetterling.

Ökologische Grünflächenpflege ist nicht nur ein Akt des Umweltschutzes, sondern auch ein klares Signal des Einsatzes für eine lebenswerte Zukunft für Mensch, Tier und Pflanze. Wiefelstede möchte als Gemeinde aktiv etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun, daher werden im Gemeindegebiet nach und nach immer mehr Blühflächen angelegt, die ökologisch bewirtschaftet werden, um so als Habitate und Trittsteine für Insekten und andere Tiere dienen zu können.

Ökologische Grünflächenpflege – worauf ist zu achten?

Mehr Wildwuchs zulassen: Refugienflächen fördern

 

 

      • Grünflächen sind Nahrung und Habitat für viele Insekten und Spinnen.

      • Refugien sind Überlebensquartiere innerhalb der Grünflächen für Insekten, ihre Eier, Raupen, Puppen und andere Tiere. Refugienflächen bleiben die gesamte Vegetationsperiode ungemäht, werden erst im Folgefrühjahr, nach einigen aufeinanderfolgenden warmen Tagen gemäht. Refugienstandorte sollten wechseln und nicht länger als 1-2 Jahre an einer Stelle bleiben.

      • Auf die Mahdrichtung achten: immer in Richtung der Refugienflächen mähen, damit die Insekten dorthin fliehen können. Alternativ kreisförmig von innen nach außen.

      • Mind. 30 % der Grünflächen sollten temporär ungemäht bleiben und in selten gemähte Biodiversitätsflächen umgestaltet werden

    Das Mähen umstellen: weniger ist mehr! Die Pflege extensivieren. Das spart auch Kosten

     

     

     

     

        • Flächen ohne Nutzungsdruck nur 1-2 Mal im Jahr mähen

        • Balkenmäher statt Rasenmäher/Mulcher verwenden, denn das steigert die Überlebensrate von Insekten maßgeblich. Der Balkenmäher schädigt weniger als rotierende Geräte. Balkenmäher haben nachweislich die geringste Insektensterblichkeit, da sie langsamer sind und keine Ansaugwirkung haben, das Mahdgut wird nicht zerkleinert. Am schädlichsten sind herkömmliche Mulcher, Freischneider und Mähroboter, denn sie töten praktisch alle Insekten auf den Flächen.

        • Mahdhöhe umstellen auf 10 -12 cm. Insekten in Bodennähe, die weniger mobil sind haben dann Überlebenschance und der Boden trocknet nicht so stark aus.

        • Mahdgut erst nach 3-5 Tagen abräumen damit das Saatgut ausfallen kann und Insekten noch fliehen können. Allerdings sollte das Mahdgut nicht länger als 10 Tage liegengelassen werden, da sonst zu viel Nährstoffeintrag in den Boden erfolgt.

        • Große Flächen in Teilflächen nacheinander mähen, d.h. mind. 4-6 Wochen zeitversetzt mähen, damit die Tiere von einer Fläche zur anderen fliehen können.


        • Akzeptanzstreifen an den Rändern können häufiger gemäht werden (z.B. alle 4 Wochen), damit man sieht, dass die höhere Vegetation dahinter gewollt ist.
       
       

      Flexibilität in 
      trockenen Hochsommern

       

       

       

       

          • In trockenen Sommern das Mähen ganz auslassen, da die Temperaturen auf gemähten Flächen nochmal beträchtlich ansteigen. Insekten fehlt der Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden und ohne Bewässerung wächst die Vegetation erst spät wieder nach.

          • Auf klimatolerantere, trockenheitsresistentere Rasenmischungen umstellen mit mehr Blühpflanzen und Kräutern und weniger Gräsern.


          • Höhere Vegetation hat einen größeren Kühlungseffekt und bei Starkregen kann die Fläche das Regenwasser besser aufnehmen, d.h. es ist weniger Bewässerung nötig, wenn weniger gemäht wird
         

        Wiefelstede ist Mitglied im Arbeitskreis „Blühflächen im Ammerland“

        Link: Arbeitskreis „Blühflächen im Ammerland“

         

        Im Jahr 2008 wurde der Arbeitskreis auf Initiative des Landkreises mit dem Ziel gegründet, mehr Blühfläche und Lebens­raum für Insekten im Ammerland zu schaffen. Zur Arbeit des Arbeitskreises gehören die Vernetzung von Akteuren, der Austausch von Fachinformationen, die Beratung sowie Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit. Der Arbeitskreis besteht aus Vertretern des Landkreises (UNB), des Umweltbildungszentrums, des Landvolkverbands, Landwirtinnen und Landwirten, der Kreisjägerschaft, der Imkervereine, der Ortsbürgervereine, der Umwelt- und Naturschutzverbände, Vertretungen aller Gemeinden, Schulen, Baumschulbetreiber beziehungsweise -betreiberinnen und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Jährlich finden eine Arbeitskreissitzung mit Austausch und Fachvorträgen statt und eine Bereisung von Blühflächen mit verschiedenen Blühmischungen an unterschiedlichen Standorten im Ammerland.

         

        Blühflächen in Wiefelstede

        Im Mai 2025 wurden durch den Bauhof fünf neue Blühflächen in Wiefelstede angelegt und mit der Ammerländer-Blühmischung mit 24 Arten eingesät. Die Saatgutmischung (Ammerländer Landvolk Mischung) ist eine eigens für das Ammerland zusammengestellte Saatgutmischung, die aus einheimischen regio-zertifiziertem Saatgut besteht. Sie enthält Samen von Pflanzen, die im Ammerland natürlicherweise vorkommen würden und für die einheimischen Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen oder Käfer Nahrung und Lebensraum bieten.

        Es wurden folgende Flächen neu eingesät:

            • Ein Streifen entlang des Gehwegs zwischen „Thienkamp“ und „Grote Placken“.

            • Der alte Spielplatz an der „Gartenstraße 7“.

            • Die Grünfläche „Im Tief“ vor Nr. 12 bzw. hinter Bäcker Schulze-Mühlenfeld.

            • Eine Brachfläche am Spielplatz „Nutteler Weg“.

            • Ein Teil der Grünfläche gegenüber der Streuobstwiese am Heinrich-Kunst-Haus in Ofenerfeld.

          Jährliche Blühflächenbereisung des Arbeitskreises „Blühflächen für Insekten im Ammerland“

          Bei der jährlichen Blühflächenbereisung des Arbeitskreises „Blühflächen für Insekten im Ammerland“ am 14.08.2025 wurden auch zwei der neu angelegten Blühflächen in Wiefelstede besichtigt. Die Fläche „Im Tief“ und in der „Gartenstraße“. Bei beiden Flächen zeigte sich üppiger, vielseitiger Bewuchs der in der Blühmischung vorhandenen Pflanzenarten wie Lein, Saatwucherblume, Phacelia, Dill, Sonnenblume, Buchweizen, Malve, ungewöhnlicher weißer Borretsch, Mohn und aus dem im Boden vorhandenen Samenpool, der weiße Gänsefuß. Zu den bereits angelegten Blühflächen sollen in den kommenden Jahren weitere Flächen als Trittsteine hinzukommen. Für 2026 sind bereits weitere fünf Flächen geplant, die dann auch mit mehrjährigen Blühmischen eingesät werden sollen. Zudem ist an

          Blühflächen anlegen und Lebensräume schaffen – so geht’s auch im eigenen Garten

          Link: Blühflächen anlegen – Lebensräume schaffen

          Auch Sie können in Ihrem Garten Blühflächen anlegen und so die Artenvielfalt unterstützen.

              • Beste Aussaatzeit: Mitte April bis Mitte Juni

              • Bodenvorbereitung: Fläche vorab pflügen/fräsen, um Gräser und schnell wachsenden Ackerunkräuter zu entfernen

              • Saatgut: regio-zertifiziertes, mehrjähriges Saatgut verwenden -> Samen von Pflanzen, die in unserer Region natürlicherweise vorkommen würden und für unsere einheimischen Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen oder Käfer Nahrung und Lebensraum bieten. In herkömmlichen einjährigen Saatgutmischungen befinden sich meist Samen von Wild- und Kulturpflanzen, die zwar bunt blühen, aber meist nicht aus unserer Region stammen und unseren heimischen Insekten nicht als Nahrungs- oder Lebensraum nutzen.

              • Aussaat: Samen gleichmäßig verteilen: Fläche erst waagerecht und dann senkrecht ablaufen und anschließend anwalzen, damit die Samen Bodenkontakt bekommen

              • Erste Keimung: nach zwei bis drei Wochen

              • Düngung: Keine Düngung erforderlich

              • Bewässerung: nur wässern wenn es länger keinen Niederschlag gibt

              • Im 2. Jahr: mehrjährige Blühmischungen enthalten Samen von Pflanzen, die sich jährlich selbst weiter versamen oder im ersten Jahr der Aussaat zunächst nur Blätter bilden und erst ab dem zweiten Jahr blühen. Die Blühflächen sehen von Jahr zu Jahr anders aus und eignen sich perfekt als langfristige Lebensräume für Insekten. Die Flächen müssen also nicht jedes Jahr neu angelegt werden, sondern erhalten sich selbst.

              • Mähen: Mehrjährige Blühflächen sollten erst im späten Frühjahr bis maximal 10 cm gemäht (nicht gemulcht) werden, damit Sonnenlicht an die im Vorjahr gebildeten Samen gelangt und die Insekten auf der Fläche überwintern können. Ohne eine Mahd würde die Fläche mit Gräsern und Kräutern zuwachsen und der Blühaspekt würde geringer ausfallen. Am besten mit der Sense oder dem Balkenmäher in eine Richtung mähen, in der ein Refugienstreifen stehen bleibt.

              • Refugien als „wilde Ecken“ stehen lassen: Auch „Unkraut“ als „wilde Ecken“ mal stehen lassen! (ca. 30 %). Oft reichen bereits vermeintliche Unkräuter und unscheinbare Wildpflanzen mit kleinen Blüten wie das im April blühende helllila blühende Wiesenschaumkraut, um wertvolle Lebensräume für Insekten zu schaffen. Beispiel: Schmetterlinge wie der Kleiner Fuchs oder das Tagpfauenauge legen ihre Eier auf Brennnesseln ab. Die Raupen ernähren sich von den Blättern der Brennnessel – ohne sie gäbe es keine Schmetterlinge in unseren Wiesen, Feldern und Gärten.